Vernetztes Lernen
Computer in Schulen und ihre Peripherie sind heute vernetzt. Unvernetzte Geräte machen weder pädagogisch noch aus der Sicht der Technik und des Supports einen Sinn.
Die notwendige Infrastruktur folgt Hardware-Standards, die sich seit Jahren bereits in der Wirtschaft und nun auch im privaten Haushalt durchgesetzt haben.
Die Netzwerke benötigen Instrumente, mit denen alle Benutzer schnell, komfortabel, sicher und ohne lange Einarbeitung ihre Aufgaben erfüllen können. Das gilt für Schülerinnen und Schüler aller Schulformen, für Lehrerinnen und Lehrer, für Benutzer-Administratoren wie für Systemverwalter komplexer Schulnetzwerke. Hochbezahlte Spezialisten wie in der Industrie sind jedoch weder bezahlbar noch aus den vorhandenen Personalressourcen heraus auszubilden.
Zudem werden an Schulnetzwerke mit extrem heterogener, zum Teil gesponserter Hardware, mit schmalbandigen Internetanbindungen, mit Multi-User-Arbeitsplätzen, an denen am Tag manchmal zwanzig und mehr verschiedene Schüler hintereinander arbeiten, ganz andere Anforderungen gestellt, wie an die Computernetzwerke von Büros in Mittelstand und Industrie. Weder Lehrer noch Schüler konnten bisher von Konzepten zur effizienten Arbeit mit Hard- und Software ausreichend profitieren. Die Fertigkeiten im Umgang mit Computern und Peripherie wurden in der Lehrerschaft selten didaktisch orientiert erworben, sondern entwickeln sich bis heute zumeist autodidaktisch. Instrumente, die didaktische Konzepte zum Umgang mit Neuen Medien entwickeln lassen und unterstützen, sind - wenn überhaupt - nur einem sehr kleinen Kreis von Spezialisten bekannt. So einfache Prozesse wie das Übertragen von Dateien über das Netz oder das Veröffentlichen auf einer Homepage trauen sich die wenigsten zu, weil sie komplizierte Bedienoberflächen von immer neuen Programmen mit unübersichtlich vielen Features scheuen.
Schon ein geringer Prozentsatz von Schülern mit extremen Spieltrieb und evtl. sogar destruktiven Absichten kann ein Schulnetzwerk massiv beeinträchtigen und ein vereinbartes Regelwerk ad absurdum führen, wenn geeignete Kontrollmöglichkeiten fehlen. Schulnetzwerke stellen sich bisher als "Black Box" dar, in der die traditionellen Aufsichten und pädagogischen Steuerungen nicht möglich scheinen.
Andererseits benötigen Schulnetzwerke anders als ihre Pendants in Büros kontrollierte Freiräume für ihre Benutzer. Das Netz soll Schüler und Lehrer zum kreativen Umgang anregen und nicht durch komplizierte technische Sperren die Motivation ersticken, sich die Neuen Medien als universelles Werkzeug zu erschließen. Mit einfachen Mechanismen müssen Arbeitsergebnisse dargestellt werden können. Wechselnde Lerngruppen und Lehrerteams benötigen effiziente und schnelle Kommunikation, die z.B. das kooperative Selbstlernen unterstützt. Eine schulbezogene eigene Mailadresse und eine eigene einfach zu administrierende Homepage zur Darstellung des eigenen Portfolios sind z.B. ebenso unerlässlich wie der differenzierte und gesteuerte Zugriff auf alle Ressourcen, die kreatives und kooperatives Lernen erst möglich machen.
Ein Schulnetzwerk benötigt auch spielerische Zugänge zu den Neuen Medien wie z.B. geschützte Chaträume. Schülern muss die Möglichkeit gegeben werden, ihre Phantasien darzustellen. Überhaupt sollte die Kommunikation in jeder Richtung durch einfache Instrumentarien gefördert werden. Foren sind eine bekannte und bewährte Plattform für effiziente Gruppen-Kommunikation, Newsletter ein sehr effizientes Werkzeug, Informationen schnell, weit und differenziert zu verbreiten, E-Mail dient dem schnellen persönlichen Austausch. Alle drei Formen sind wie geschaffen für Schule, sie benötigen indes eine einfach zu durchschauende und bedienende Oberfläche.
Schülerinnen und Schüler werden sich diese Instrumenten nur nachhaltig und umfassend aneignen können, wenn ihnen genügend zuverlässige und vernetzte Geräte am Arbeitsplatz Schule zur Verfügung stehen, um in selbstgesteuerten Lernphasen ihrem individuellen Lernfortschritt entsprechend arbeiten zu können - mit ihren persönlichen sowie gemeinsam nutzbaren Daten. Unverzichtbar sind sogenannte "Medieninseln" mit mehreren Rechnern in Klassen-, Fach- und Differenzierungsräumen sowie in öffentlichen Schülertreffs, Pausenhallen und dgl.
Das Umwandeln von Arbeitsergebnisse z.B. in Printform darf nicht wie bisher allgemein üblich nur unter Aufsicht möglich sein, sondern muss mittels geeigneter Software kontrolliert aber selbstgesteuert erfolgen. Und ihre multimediale Präsentationen von Arbeitsergebnissen werden Schüler klassen- oder schulintern gern selbstständig veröffentlichen, wenn ihnen dazu leicht zu bedienende Werkzeuge an die Hand gegeben werden.
Für Lehrerinnen und Lehrer gilt dies entsprechend. Sie benötigen neben ungehinderter schriftlicher Kommunikation untereinander und mit Schülern außerdem nach Zugriffsrechten differenzierte "Plätze" im Schulnetz, an denen sie ihre Aufgaben veröffentlichen und ggf. mit Arbeitsergebnissen oder schul- und weltöffentlichen Quellen verknüpfen. So wird z.B. ein schul- oder fachspezifischer Wissenspool wachsen, auf den weitere Schüler, Lehrer oder ggf. die Öffentlichkeit zugreifen können. Es gelingt möglicherweise, die unermesslichen Schätze von pädagogischen Erfahrungen einem größeren Kreis an der Schule nutzbar zu machen und damit das Schulprofil zu prägen.
Wenn jedoch alle Benutzer des Schulnetzwerks keinen Zugriff auf die Dienste haben, sobald das Schultor geschlossen wird, bleiben alle Bemühungen nur Stückwerk. Denn im Gegensatz zu einem Mitarbeiter eines Betriebes ist es insbesondere für Schüler wie Lehrer am Nachmittag, Abend und Wochenende notwendig, ihre Arbeit fortzusetzen. Ein Schulnetzwerk ohne autorisierten Zugang vom häuslichen Arbeitsplatz wird es an Akzeptanz mangeln, weil u.a. Daten nur während der Schulzeit zur Verfügung stünden und der Datentransport durch technische Hürden erschwert würde. Und die in der demokratischen Schulkultur unverzichtbare Mitwirkung von Eltern und externen Personen wäre wieder auf die traditionellen Kanäle beschränkt. Zumindest Elternvertreter benötigen einen Zugang zum Schulnetz.
Der häusliche und der schulische Arbeitsplatz sollten beim Zugriff auf das Netz nahezu die gleichen Möglichkeiten bieten, günstig wären gleiche Oberflächen und Instrumente. Das erfordert zweifellos sehr leistungsfähige Software für das Schulnetzwerk.
In einer Lernkultur, in deren Zentrum problemorientiertes, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen und die Vermittlung von Medienkompetenz stehen, müssen demnach die Instrumente eines Schulnetzwerks speziell auf schulische Anforderungen abgestimmt sein.
Bei Schülerinnen und Schüler erfolgt in dieser neuen Lernkultur das Lernen zunehmend
- autonom
- selbstgesteuert
- kooperativ
- Fächerübergreifend
- außerhalb des Schulortes
- ihren Unterricht individualisieren
- in wechselnden Teams arbeiten
- kooperativ individuelle Förderkonzepte entwickeln, kommunizieren und dokumentieren
- individuelles Lernen durch Förderkonzepte steuern
- Portfolio-Konzepte entwickeln
- Material zum autonomen Lernen bereitstellen
- außerschulische Lernorte einbinden
- ihre Rolle hin zum Berater/Vermittler verändern
- werden eigenverantwortlich bzw. arbeiten in Verbünden
- schaffen Ganztagsangebote
- öffnen sich für außerschulische Lernorte
- ermöglichen Arbeiten über den Tageskanon hinaus
- präsentieren ihre Arbeit der Öffentlichkeit
- bilden vorhandene soziale Netzwerke der Schule ab
- machen das Schulleben transparent
- erweitern Kommunikation horizontal und vertikal
- öffnen die Kommunikationswege
- öffnen Unterricht über den Tageskanon hinaus
- bieten Dienste zur Information und Präsentation
- stellen Ressourcen jeder Art bereit bzw. leiten dorthin
- vermeiden Medienbrüche
- ermöglichen eigene und geteilte Ressourcenverwaltung
- ermöglichen Zugriff auf alle Dienste und Angebote von überall her und jederzeit
- steuern das Informationsangebot
- schützen die Kommunikationswege
- schützen die Informationskanäle
- verhindern weitestgehend Missbrauch automatisch
- erleichtern die Aufsicht mittels einfacher technischer Lösungen
- schaffen schnelle Akzeptanz, indem sie leicht zu durchschauen sind, wenig Schulung erfordern und Selbstlernen erlauben
- sind in allen Schulformen einsetzbar
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